Baubetrieb und Bauwirtschaft

Gemeinschaftskraftwerk Inn (2019)

Bericht über die Exkursion zur GKI-Baustelle vom 29. – 30. Juli 2019

Autor: Maximilian Schwarz
Fotos: Maximilian Schwarz, Tobias Bisenberger

Am Montagmorgen, dem 29. Juli 2019, machten sich die Exkursionsteilnehmer, Univ.-Prof. Gerald Goger, Univ.-Ass. Tobias Bisenberger, zwei Diplomanden und unser Ferialpraktikant Maximilian Schwarz, mit dem Zug auf den Weg zum GKI – dem Gemeinschaftskraftwerk Inn. Dieses ist mit ca. 414 GWh aktuell das größte im Bau befindliche Laufwasserkraftwerk im Alpenraum und liegt im schweizerisch-österreichischem Grenzgebiet. Da es hauptsächlich unterirdisch gebaut wurde, ist es größtenteils unsichtbar. Laufkraftwerke liefern beständig und ohne große Schwankungen Strom, daher werden sie eingesetzt um den Großteil des Stromverbrauchs zu decken und so stellen die Wasserkraftwerke mit 56 % die größte Quelle für den österreichischen Strombedarf da.

Im Wesentlichen besteht das Gemeinschaftskraftwerk Inn aus den drei Elementen: Stauraum und Wehranlage, dem besichtigten Triebwasserstollen sowie dem Krafthaus. Der Triebwasserstollen hat eine Länge von 22,8 km und ist mit Tübbingen ausgekleidet. Das Wasser fließt durch diesen von der Wehranlage in Ovella bis zum Krafthaus in Prutz/Ried.

Der erste Termin führte zu einer Besprechung, in der den beiden Diplomanden noch wichtige Daten für ihre Masterarbeiten überreicht wurden. Diese behandeln baubetriebliche Analysen von Maschinen- und Prozessdaten im Hinblick auf Leistungsermittlung bzw. Einarbeitungseffekte. Im Anschluss folgte eine Besichtigung der Baustelleneinrichtung, wo der zerlegte Bohrkopf aus nächster Nähe betrachtet werden konnte. Die benötigten Tübbinge werden direkt vor Ort in einer eigens errichteten Produktionsanlage hergestellt. Insgesamt werden auf der Baustelle 12 gleisgebundene Schutter- und Versorgungzüge eingesetzt und 195 Menschen beschäftigt. Die Exkursionsteilnehmer besuchten den Fensterstollen in Maria Stein, der den Ausgangspunkt für den Stollenbau darstellte. Zu diesem Zeitpunkt waren die Vortriebsarbeiten schon abgeschlossen und die Nachinjektionen befanden sich bereits in Ausführung.

Abbildung 1: zerlegter Bohrkopf einer TBM-DS
Abbildung 2: Baustellleneinrichtung

Am nächsten Tag stand die Begehung des Tunnels am Programm. Vom Fensterstollen fräsen zwei Tunnelbohrmaschinen mit Doppelschild den eigentlichen Triebwasserstollen in Nord- und Südrichtung. Durch diesen Druckstollen werden im Betrieb bis zu 75 m³ Wasser pro Sekunde durchfließen. Der Südtunnel ist ca. 12,7 km lang und führt in Richtung des Krafthauses in Ovella. Der 8,7 km lange Nordtunnel führt zum Krafthaus in Prutz / Ried. Insgesamt musste für dieses Bauvorhaben ein Volumen von etwa einer Million Kubikmeter Gestein aus dem Berg zu Tage gefördert, und ca. 50.000 produzierte Tübbinge aus Stahlbeton verbaut werden. Mit Sicherheitsbekleidung ging es zunächst 500 Meter durch den Fensterstollen Maria Stein in den Südtunnel des Triebwasserstollens. Dort konnte man bereits die fertig verbauten Tübbinge sehen. Anschließend brachte der Versorgungszug die Exkursionsteilnehmer wieder ans Tageslicht. Damit war diese spannende Exkursion zum GKI beendet und das Exkursionsteam fuhr zurück nach Wien.

Abbildung 3: Blick in den Triebwassersollen Nord
Abbildung 4: Das Exkursionsteam

Über den Autor Maximilian Schwarz:

Maximilian ist 16 Jahre alt und absolviert während seiner Sommerferien ein Ferialpraktikum am Institut für Interdisziplinäres Bauprozessmanagement an der Fakultät für Bauingenieurwesen. Er hat sich immer schon für die spannenden Bautätigkeiten interessiert – die Besichtigung der Baustelle des GKI hat ihn fasziniert und er blickt mit Begeisterung auf die weiteren Aufgaben, die ihn in den kommenden Wochen erwarten werden.