Baubetrieb und Bauwirtschaft | Institut für Interdisziplinäres Bauprozessmanagement

Technische Universität Wien

Forum Lean Construction (2018)

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Lean Construction beschäftigt seit einiger Zeit die Baubranche. Der Verein Zukunft Bauen nahm das zum Anlass, am 6. Dezember 2018 im Festsaal der TU Wien, ein Forum zu diesem Thema zu organisieren. Das Ziel der Veranstalter war es, ein gemeinsames Verständnis des Managementansatzes zu schaffen und die Auswirkungen auf den Bauprozess zu diskutieren.

Moderator Leopold Winkler stellte daher zu Beginn der Veranstaltung die Frage, was die Teilnehmer_innen unter Lean Construction überhaupt verstehen würden. Die Grundgedanken zur vollständigen Beantwortung dieser Frage bereitet Nadia Wachter, Geschäftsführerin des German Lean Construction Institute (GLCI) in ihrer Keynote auf.

Sie präsentierte die fünf Grundprinzipien des Lean Thinkings: (1) Kundenwert, (2) Wertstrom, (3) Fluss-Prinzip, (4) Pull-Prinzip statt Push-Prinzip und (5) Kontinuierliches Streben nach Perfektion. Das Übertragen dieser Werte auf die Baubranche bezeichnet man als Lean Construction.

Lean Construction umfasst Ansätze zur nachhaltigen Wertschöpfungssteigerung und Verschwendungsreduzierung im Bauwesen. Die dazugehörige Projektumsetzungskultur basiert auf

  • Transparenz und Zusammenarbeit,
  • effizienzsteigernden Methoden und
  • kontinuierlicher Verbesserung und Lernen.

(VDI-Richtlinie 2553, Seite 4)

Das Schaffen von Bewusstsein für Verschwendung während Bautätigkeiten ist wesentlich für die Implementierung von Lean-Ansätzen, so Frau Wachter weiter. Dabei unterscheide man zwischen Muda 1 (notwendige, aber nicht wertschöpfende Tätigkeiten) und Muda 2 (nicht notwendige und nicht wertschöpfende Tätigkeiten), wobei Muda 1 minimiert und Muda 2 eliminiert werden sollte.

Als dafür geeignete Werkzeuge in der Baubranche präsentierte sie beispielhaft das Last Planner System (LPS), Taktplanung und Taktsteuerung (TPTS) sowie Modelle zur integrativen Projektabwicklung. Beispielsweise bindet das vorgestellte LPS den letzten Planer in den Optimierungsprozess mit ein. Gemeinschaftlich wird mittels Pull-Planung die nächste Arbeitswoche detailliert besprochen, um so eine kontinuierliche Verbesserung zu erzielen. Die Methoden allgemein führen zu mehr Transparenz, Stabilität und Qualität in der Abwicklung von Bauprojekten.

Alle auf den gleichen Wissensstand gebracht, wurden zu Beginn der Podiumsdiskussion die Ergebnisse der eingangs durchgeführten Umfrage präsentiert. Die Teilnehmer_innen verstanden unter Lean Construction zum größten Teil einen Managementansatz (55 %) bzw. eine Methode und ein Werkzeug (28 %).

Ergebnis der Umfrage (3,14,25,6)

An der anschließenden Podiumsdiskussion nahmen neben Frau Wachter, Gerald Goger (Professor für Baubetrieb und Bauverfahrenstechnik an der TU Wien), Stefan Graf (CEO Leyrer + Graf), Marc Guido Höhne (Geschäftsführer Drees & Sommer Österreich) und Walter Reckerzügl (Unternehmensberater) teil.

Die einleitende Frage zielte erneut auf das gemeinsame Verständnis von Lean Construction ab. Die Experten_innen sehen Lean Construction gleichermaßen als Philosophie und Werkzeug, das Projektbeteiligte gemeinsam an Problemlösungen arbeiten lässt. Prof. Goger ist der Meinung, Bauprozesse müssen zuerst verstanden werden um die Methoden zielführend anwenden zu können. Weiters gab Marc Höhne zu bedenken, dass ein starkes Engagement aller Beteiligten eine Grundvoraussetzung für die funktionierende Anwendung der Tools ist.

Gefragt nach den größten „Verschwendungen“ im Bauwesen identifizierte Prof. Goger Improvisation und baubegleitende Planung als deren Kernursachen. Stefan Graf sieht die unstrukturierte Weitergabe von Informationen und den falschen Umgang mit am Bau auftretenden Störungen als Probleme. Verbesserungen im Bauablauf werden durch das Minimieren von Verschwendungen angestrebt. Auf die Frage, wie diese Verbesserungen messbar wären, antwortete Walter Reckerzügl „Es ist extrem schwierig zu messen, aber die Ergebnisse sprechen für sich!“. Abschließend kamen die fachkundigen Podiumsgäste aus Wissenschaft und Wirtschaft zu dem Schluss, dass ein Umdenken bereits bei Vertragsgestaltung einsetzen müsse. Eine partnerschaftliche Arbeitsweise mit Anreizen ist für eine friktionsfreie Projektabwicklung anzustreben, so der einhellige Tenor der Experten_innen.

Die Teilnehmer_innen des Forums nutzen die Gelegenheit selbst Fragen an die Podiumsgäste zu stellen, wobei die ein oder andere knifflige Beantwortung auf das anschließende Networking verschoben werden musste. Die intensiven Gespräche zeigten, das aktuelle Interesse am Thema Lean Construction.

Vorstand des Vereins Zukunft Bauen mit Podiumsgästen und Moderator (v.l.n.r.: Winkler, Wachter, Reckerzügl, Piskernik, Balla, Graf, Goger, Höhne)

Wir danken unseren Sponsoren für die Unterstützung des Forums!

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