Baubetrieb und Bauwirtschaft

RAAB Jacqueline

Illegale Beschäftigung in der Bauwirtschaft in Österreich: Eine Not, keine Tugend

Entstehung des Themas
Im Zuge der Recherchen für ihre Diplomarbeit mit dem Titel „Chancen für Beschäftigten-Minderheiten in der Bauausführung in Österreich“, die am Institut für Interdisziplinäres Bauprozessmanagement an der Technischen Universität Wien (TU Wien) verfasst wurde, kam die Autorin mehrfach mit dem Thema „Illegale Beschäftigung in der Bauwirtschaft“ in Berührung. In der Diplomarbeit wurde dieses Thema nur am Rande behandelt, da eine intensivere Auseinandersetzung weit über die Beantwortung der Forschungsfrage hinausgegangen wäre. Entwickeltes persönliches Interesse bewegte die Verfasserin allerdings zu weiteren Erhebungen und der Entscheidung, die gewonnenen Erkenntnisse in einer Projektarbeit zu verarbeiten.

Mit der vorliegenden Projektarbeit „Illegale Beschäftigung in der Bauwirtschaft in Österreich: Eine Not, keine Tugend“ konnte auch dem Anliegen nachgegangen werden, die Fachbereiche Bauwirtschaft und Soziologie interdisziplinär zu verknüpfen: Im Fokus der Ausarbeitung stehen einerseits Bauunternehmen als ArbeitgeberInnen (illegal) Beschäftigter am Bau-Arbeitsmarkt und andererseits das im Bauhaupt- und Baunebengewerbe/Ausbaugewerbe (illegal) beschäftigte gewerbliche Personal d.h. die ArbeiterInnen selbst.

Aufgabenstellung
Wie der Titel schon andeutet, wird illegale Beschäftigung in der Bauwirtschaft in dieser Projektarbeit kritisch betrachtet: Einerseits führt die Missachtung zahlreicher Gesetze durch ArbeitgeberInnen (und umgekehrt auch durch ArbeitnehmerInnen) in der Baubranche zur Verletzung wirtschaftlicher Interessen der Republik Österreich in Form von Verlusten von Steuern und Sozialabgaben.

Neben dem wirtschaftlichen Schaden, den die Republik davonträgt, sind auch redliche SteuerzahlerInnen durch illegale Beschäftigung benachteiligt, da diese eine höhere Abgabenleistung erbringen müssen, um den Verlust des Staates auszugleichen. Leidtragende sind häufig auch die in der Baubranche gewerblich beschäftigten Personen mit Migrationshintergrund: Diese werden oftmals durch ArbeitgeberInnen sozial ausgebeutet, da ArbeiterInnen aus dem Ausland aus der Not heraus jede Verbesserung gegenüber der Arbeitsbedingungen und der schlechteren Entlohnung in ihrem Herkunftsland annehmen. Doch auch jene Bauunternehmen, die sich an Gesetze halten und mit tatsächlichen (dem Kollektivvertrag entsprechenden) Preisen kalkulieren und anbieten, sind benachteiligt und können im Preiskampf bei Projektvergaben nicht mithalten, da in Österreich das Billigstbieterprinzip vorherrschend ist.

Andererseits gibt es auch Stimmen, die diese Art von Beschäftigung in gewisser Weise gutheißen und darauf hinweisen, dass illegal tätige ArbeitnehmerInnen Einkommen in einer Höhe beziehen, die unter anderen Umständen nicht zu erreichen wären. Ebenso ließen sich für ArbeitgeberInnen Personalkosten reduzieren, wodurch sich ihre Wettbewerbsfähigkeit erhöht.

In der Projektarbeit wird zu Beginn ein kurzer Überblick über die geltenden Gesetze gegeben, die bei der Beschäftigung von gewerblichem Personal zu beachten sind. In Anschluss werden Kontrollorgane vorgestellt, welche die Einhaltung dieser Gesetze überwachen. Außerdem wird auf die Gründe für illegale Beschäftigung sowohl seitens der ArbeitgeberInnen als auch seitens der ArbeitnehmerInnen eingegangen und analysiert, welche Auswirkungen dies auf die Beteiligten und auf die Bauwirtschaft hat.