Baubetrieb und Bauwirtschaft

AVALIANI Irakli

Straßenbahnoberbau: Ausführungsformen und Instandhaltung

Motivation

Die Straßenbahn durchlief eine lange geschichtliche Entwicklung von der Pferdeeisenbahn bis zu den heutigen Niederflurstraßenbahnen. Diese Entwicklung kann anhand des Fahrwegs, dessen Anforderungen stetig gewachsen sind, beobachtet werden. Heute muss der Oberbau zusätzlich zu dem sicheren Betrieb ebenfalls andere wichtige Anforderungen erfüllen wie z.B. Fahrkomfort gewährleisten, Verfügbarkeit des dichten Angebots schaffen, Schall und Erschütterung vermeiden und nach Möglichkeit in das Stadtbild hineinpassen. Da auf den oberirdischen Strecken die Trennung des öffentlichen und individuellen Verkehrs nicht immer möglich ist, muss der Fahrweg neben den Anforderungen aus dem Bahnbetrieb auch den Anforderungen des KFZ-Verkehrs gerecht werden.

Dadurch ist der Oberbau nach der Verkehrsfreigabe unterschiedlichsten mechanischen und thermischen Beanspruchungen ausgesetzt. In den Anfängen der Straßenbahnentwicklung sind viele unterschiedliche Oberbau- und Eindeckungsformen getestet worden, um zu einer optimalen Lösung zu gelangen. Durch die unterschiedlichen Herangehensweisen in verschiedenen Städten entstand eine Vielzahl an Ausführungsformen des Oberbaus, welche mit der Zeit weiterentwickelt wurden. All diese Oberbauformen basieren heute auf ähnlichen Prinzipien, die dem Stand der Technik entsprechen. Sie unterscheiden sich aber dennoch in der Ausführung und sind aus den jeweiligen Stadtbildern nicht mehr wegzudenken.

Zusätzlich wuchs die Stadtbevölkerung in vielen europäischen Großstädten. Dies führte zu einer Verdichtung des Angebots und einer damit verbundenen steigenden Belastung des Fahrwegs bzw. zu steigenden Instandhaltungskosten. Aus diesem Grund kommt der Optimierung des Anlagenmanagements – insbesondere der Investitions- und Instandhaltungsstrategie – eine große Bedeutung zu. Der optimale Oberbau ist aus wirtschaftlicher Sicht jener mit den geringsten Lebenszykluskosten. Da die Verkehrsbelastung des Oberbaus nicht einheitlich ist, erweisen sich abhängig von der Verkehrsbelastung unterschiedliche Ausführungsformen mit angepassten Instandhaltungsstrategien zielführend. Eine optimale Nutzungsdauer der Anlage kann nur durch entsprechenden Ausführungsqualität in der Herstellungsphase und einer, sich über den gesamten Lebenszyklus erstreckender Instandhaltung, mit entsprechender Planung von notwendigen Investitionen, gewährleistet werden. Zudem bedarf es einer stabilen Organisation des Eisenbahninfrastrukturbetreibers und eine Ausrichtung auf Streckensicht um die richtigen Maßnahmen zum richtigen Zeitpunkt zu setzen.

Diese Arbeit soll die vielfältigen Möglichkeiten der Oberbaugestaltung im deutschsprachigen Raum aufzeigen und die Vorteile der einzelnen Bauweisen darstellen. Dabei wird sowohl auf den gestalterischen Aspekt mit den verschiedenen Eindeckungsmöglichkeiten eingegangen, als auch auf den derzeitigen Stand der Technik den Aufbau betreffend.

Zusätzlich werden die verschiedenen Ansätze der Instandhaltungsstrategiefindung am Beispiel eines Verkehrsunternehmens aufgezeigt. Die Strategien werden einzeln, mit den jeweiligen Vor- und Nachteilen dargestellt.

Abschließend werden die Instandhaltungsmaßnahmen des geschlossenen Oberbaus dargelegt. Dabei werden zu allererst die auftretende Fehler vorgestellt, darauf aufbauend werden Maßnahmen zur Fehlerbehebung aufgezeigt.