Baubetrieb und Bauwirtschaft

Stefan LACKINGER - Deckelbauweise

TU Wien, 2009

Einleitung

Zuordnung des Fachgebiets Offener Tunnelbau

 

Beim offenen Tunnelbau erfolgt die Herstellung des Tunnels durch Einschneiden der Oberfläche und anschließendes Überdecken des fertig hergestellten Tunnelbauwerkes (cut-and-cover-tunnel). Je nach vorhandenen projektspezifischen Rahmenbedingungen können verschiedenste Verfahren zur Baugrubenherstellung angewendet werden. Auch die Deckelbauweise, bei welcher nur die Baugrubenwände und die oberste Decke (Deckel) offen hergestellt werden, zählt zum offenen Tunnelbau.

 

Die Deckelbauweise, in der Literatur auch als Mailänder oder halboffene Bauweise bezeichnet, findet im innerstädtischen Bereich, wo es erwünscht ist den oberirdischen Verkehr nur für kurze Zeit zu behindern, das größte Anwendungsgebiet.

 

Sie ist dadurch gekennzeichnet, dass die Baugruben von der Geländeoberfläche ausgehoben werden und anschließend das Bauwerk von unten nach oben hergestellt wird. Nach Beendigung der Tunnelbauarbeiten wird schließlich die Baugrube wieder verfüllt.

 

Die Methoden der Schlitzwand- und Bohrpfahlverbauten bieten die Möglichkeit unmittelbar nach Herstellen der Baugrubenumschließungswand die obere Deckenplatte, die gleichzeitig als obere Aussteifungsebene dient, zuerst auszuführen und sofort danach den früheren Zustand an der Oberfläche wiederherzustellen. Der Verbau wird dabei Bestandteil des endgültigen Bauwerks.

 

Die Deckelbauweise kann sowohl über als auch unter dem Grundwasserspiegel und auch in unmittelbarer Nähe zur Nachbarbebauung angewendet werden. Die Seitenwände werden vorweg als Schlitz-, Bohrpfahl oder eher selten als Spundwände ausgeführt. Die Wände können sowohl einschalig als auch zweischalig mit einer nachträglich hergestellten Innenschale ausgeführt werden. Die Decke wird als Stahlbeton- oder Spannbetonkonstruktion ausgebildet, wobei durch die Anordnung von Primärstützen die Spannweiten verringert und somit die Wandabstände vergrößert werden können.

 

Nach der Herstellung der Decke können die oberirdischen Flächen bereits für den endgültigen Zustand gestaltet werden. Der weitere Bauablauf bis zur Herstellung des fertigen Tunnelbauwerks erfolgt dann unterirdisch ohne weitere Beeinträchtigung des Verkehrs und der Anrainer.

 

Die Deckelbauweise ist im Vergleich zu anderen Bauweisen zur Herstellung von Tunnelbauwerken relativ verformungsarm. Somit können Schäden an der Nachbarbebauung weitestgehend vermieden werden.