Baubetrieb und Bauwirtschaft

Konfliktvermeidung in der Bauwirtschaft

Fakten und Details:
Projektbearbeitung: Dipl.-Ing. Jörg Ehgartner, MBA
Projektleitung: Univ.Prof. Dipl.-Ing. Dr.techn. Gerald Goger
Projektzeitraum: 1.10.2018 – 30.10.2020

Kooperationspartner:

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Motivation:

In den letzten Jahren ist vielfach zu beobachten, dass die Bauwirtschaft von wachsender Streit- und Konfliktbereitschaft geprägt ist, Bauabläufe gestört werden, Gerichtsverfahren zunehmen und die Verfahrenskosten steigen. Die Risiken eines Prozesses sind schwer abzuschätzen und belasten die Unternehmen bzw. deren Verantwortliche. Diese Umstände führten auch dazu, dass sich vermehrt Forschungsvorhaben, Studien und Publikationen mit dem Thema „Kooperation“ im Bauwesen befassten.

Im Mai 2013 veröffentlichte die ÖBV GmbH das Merkblatt „Kooperative Projektabwicklung“. Nach mehr als vier Jahren durchdringt das Gedankengut der „Kooperativen Projektabwicklung“ immer mehr Bereiche der österreichischen Bauwirtschaft, vor allem im Infrastrukturbereich und im Verkehrswegebau. Das Merkblatt hat die optimale Zusammenarbeit sämtlicher Projektbeteiligten für den allseitigen Projekterfolg zum Ziel. Die Bedeutung der Kooperation unter den Projektbeteiligten, die der optimalen Zusammenarbeit und dadurch dem Projekterfolg dienen soll und die Empfehlungen – aufgeteilt in Projektphasen, Themenbereiche und Schwerpunkte – sind jedoch nur verbal beschrieben. Kosten, die durch Kooperation eingespart werden können, sind nicht Teil des Forschungsprojekts bzw. Merkblatts.

Wie u. a. bereits im ÖBV-Merkblatt „Kooperative Projektabwicklung“ aufgezeigt, gibt es im Bauabwicklungsprozess (mit zahlreichen arbeitsteiligen Verfahrensschritten) eine Vielzahl von Konflikten und Auseinandersetzungen, die zu zusätzlichen Kosten führt, die weder zu den Baukosten zu zählen sind noch einen Mehrwert für die Errichtung eines Bauobjekts bedeuten. Viele Projektbeteiligte, komplexe Abläufe und rasch erforderliche Entscheidungen verursachen Konflikte. Führen diese zu einer Eskalation, steht vielfach nicht mehr die Kooperation im Vordergrund, sondern Streitereien mit Gutachtern, Claimmanagern, Rechtsanwälten bis hin zu Gerichtsprozessen sind die Folge. Mit dieser Situation sind zunächst sämtliche Projektbeteiligte zwangsläufig unzufrieden. Diese Projektkultur hat direkte betriebswirtschaftliche Konsequenzen. Sie beeinflusst die Einhaltung von Kosten, Terminen und Qualität des Bauprojekts. Stimmt die Kultur, stimmt auch zumeist der Bauablauf und daraus folgend der wirtschaftliche Projekterfolg. Neben den Bauherren_innen können auch Planer_innen, weitere Konsulent_innen und die ausführenden Unternehmen ihre Kosten verringern und damit ihr Ergebnis optimieren, wenn sie die Kooperation verbessern und damit die Konflikte verringern. Zudem haben Konflikte in den meisten Fällen negative Auswirkungen auf die Bauzeit, die sich durch Kooperation verkürzen könnte und damit auch die Kosten gesenkt werden könnten.

Eine Befassung von Konfliktmanagement und Konfliktvermeidung und eine umfassende Betrachtung dieser direkten und indirekten Konfliktkosten über sämtliche Projektphasen eines Bauprojekts (Planen, Bauen und Betreiben) liegen in der erforderlichen inhaltlichen Tiefe nicht vor. Die Forschungsprojekte, Studien und Publikationen im Baubereich hatten bisher v. a. das Thema „Kooperation“ zum Inhalt. Gerade eine baubetriebswirtschaftliche Modellbildung zur Quantifizierung solcherart entstehender direkter und indirekter Konfliktkosten für Bauprojekte wäre im Sinne der Baubranche ein Meilenstein. Eine Darstellung der Zusammenhänge von Ursache (z. B. fehlende Arbeitsvorbereitung oder verzögerte Planübermittlung) und Auswirkung (Bauablaufstörung, Produktivitätsverlust, erhöhter Koordinationsaufwand, Mehrkostenforderungen) sowie von möglichen Kosten gibt es bisher nicht.

Ziele:

Mit der Darlegung der Auswirkungen einer nicht kooperativen Projektabwicklung – d. h. einer Projektabwicklung mit Konflikten – sollen alle Projektbeteiligten sensibilisiert werden und zu einer konfliktfreieren Bauausführung angeleitet werden. Es soll gezeigt werden, dass sich Kooperation in vielerlei Hinsicht – z. B. positive Arbeitsumgebung, höhere Kosten- und Terminsicherheit, geringere Mehrkosten durch Störungen – positiv auf ein Bauprojekt auswirken kann. Zum einen soll der Nutzen der kooperativen Projektabwicklung auch im privaten Hochbau verbreitet werden und zum anderen soll Überzeugungsarbeit nicht nur mit Softfacts, sondern mit Hardfacts – d. h. möglichen Kosten – geleistet werden und umgekehrt dargelegt werden, dass Kooperation Einsparungen einbringt.

Das Ergebnis soll die Empfehlungen und Maßnahmen des Merkblatts „Kooperative Projektabwicklung“ stärken und den Projektbeteiligten aufzeigen, welche Kosten aus einer konfliktreichen Bauausführung resultieren können. Damit sollen zusätzliche Anstöße für die Umsetzung und Verbreitung des vorliegenden Merkblatts „Kooperative Projektabwicklung“ geleistet und gleichzeitig Lösungsansätze zur Vermeidung dieser Konfliktkosten aufgezeigt werden.