Baubetrieb und Bauwirtschaft

Studie: Potenziale der Digitalisierung im Bauwesen

Fakten und Details:
Projektbearbeitung: Dipl.-Ing. Melanie Piskernik, Dipl.-Ing. Harald Urban
Projektleitung: Univ.Prof. Dipl.-Ing. Dr.techn. Gerald Goger
Projektzeitraum: Okt. 2016 – Sept. 2017

Finanzierung:

Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie
Logos von BMVIT und WKO

Studie: Potenziale der Digitalisierung im Bauwesen

Die Bauwirtschaft gehört derzeit noch zu den am Wenigsten von der Digitalisierung erfassten Wirt-schaftszweigen in Europa. [Accenture GmbH: Digitalisierung entzaubern – wie die deutschen Top500 digitale Blockaden lösen; Studie, 2016 (Seite 4)] Damit die österreichische Bauwirtschaft in Zukunft über den Lebenszyklus eines Bauvorhabens effizienter wird und im internationalen Vergleich nicht an Wettbewerbsfähigkeit verliert, muss die Digitalisierung in den Phasen Planen, Bauen und Betreiben als Chance gesehen und vorangetrieben werden. Die zunehmende Digitalisierung des Bauwesens wird daher zahlreiche Herausforderungen an den Sektor insgesamt und die Positionierung der österreichischen Wirtschaftsbetriebe am Markt - national und international - stellen. In diesem Zusammenhang wurde das Institut für Interdisziplinäres Bauprozessmanagement an der TU Wien, Forschungsbereich Baubetrieb und Bauverfahrenstechnik unter der Leitung von Univ.Prof. Dipl.-Ing. Dr.techn. Gerald Goger mit der Erarbeitung der Studie „Potenziale der Digitalisierung im Bauwesen“ betraut. Der Forschungsauftrag wurde gemeinsam vom Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie und der Geschäftsstelle Bau der Wirtschaftskammer Österreich erteilt.

Als Projektziel wurde die Entwicklung von zielgerichteten Maßnahmen und einem strategischen Zeitplan für die schrittweise Umsetzung von Digitalisierungs- und Vernetzungsprozessen in allen Phasen von Bauprojekten definiert. Darüber hinaus sind weiterführende Forschungsfragestellungen im Sinne von Innovation im Bauwesen zu erarbeiten. Wesentlich wird im Forschungsprojekt auf die Förderung kleiner und mittelständischer Unternehmen (KMUs) eingegangen. Für die Umsetzung des Forschungsvorhabens ist eine enge Kooperation mit der Bauwirtschaft (Planer, Unternehmen) und den öffentlichen Institutionen (Auftraggeber, Behörden) gesucht worden, um die einzelnen Arbeitspakete wissenschaftlich fundiert und gleichzeitig praxisnah abarbeiten zu können.

Die wissenschaftliche Studie enthält folgende Arbeitsschwerpunkte:

1.    Begriffsbestimmungen und inhaltliche Abgrenzungen des Forschungsprojekts bezüglich Digitalisierung, Building Information Modeling (BIM), Digitales Bauprojekt und KMU. Die Studienautoren haben unter anderem auf Basis zahlreicher Publikationen zum Thema Digitalisierung im Bauwesen die Begriffe BIM, digitales Bauprojekt, BIM-Level und BIM-Dimensionen definiert.

2.    Beschreibung des Status quo der Digitalisierung im Bauwesen. In diesem Kapitel gehen sowohl wissenschaftliche Studien, als auch die derzeitige Situation der akademischen Lehre und der Stand der österreichischen und europäischen Normung ein. Die Normungsgruppe ÖNORM A 6241 stellt einen großen Schritt für die technische Umsetzung eines einheitlichen, strukturierten mehrdimensionalen Datenmodells für Bauwerke dar, jedoch sind England und die skandinavischen Länder durch den verpflichtenden Einsatz von BIM bei öffentlichen Ausschreibung bei der Umsetzung von Digitalisierungsmaßnahmen in der Praxis einen Schritt voraus.

3.    Derzeitige Softwarelösungen in der Baubranche und übliche Schnittstellen für die Pro-jektphasen des Planens, Bauens und Betreibens werden in einem eigenen Kapitel der Studie behandelt. Eine große wirtschaftliche Herausforderung für Unternehmen stellt derzeit die „richtige“ Wahl der BIM-Software dar. Viele Unternehmen - vor allem KMUs - sind mit den zahlreichen am Markt verfügbaren Softwareangeboten überfordert. Die Autoren haben daher auf Basis von Experteninterviews, Workshops, Literaturrecherche und eines KMU-Fragebogens eine Übersicht von Softwarelösungen erstellt. Der Überblick stellt eine Auswahl von Softwarelösungen dar. Die Autoren sind sehr interessiert, diese Softwareauflistung im Interesse der KMUs und der Lehre aktuell zu halten und zu erweitern.

Falls marktrelevante Softwarelösungen in dieser Studie daher noch nicht aufscheinen, können Sie gerne die Autoren kontaktieren. Die Autoren haben großes Interesse daran, dass die Daten und Erfahrungen zu den unterschiedlichen Produkten in Zukunft gesammelt aufgelistet werden.
(Kontaktperson: harald.urban(at)tuwien.ac.at)

Die Auflistung der verschiedenen Softwarelösungen sollen den KMUs und Großunternehmen helfen, einen Überblick über die Softwareprogramme zu erhalten.

4.    Einschätzung der wesentlichen Stakeholder. In diesem Kapitel der Studie werden die Ein-schätzungen der Stakeholder zu Chancen und Herausforderungen der Digitalisierung im Bauwesen, welche im Rahmen des Forschungsprojektes anhand von Workshops, Experteninterviews und einer KMU-Umfrage gewonnen wurden, wiedergegeben. Die KMU Umfrageergebnisse zeigen, dass die befragten kleinen und mittleren Unternehmen grundsätzlich aufgeschlossen gegenüber Digitalisierungsthemen sind. Die KMU-Umfrage zeigt jedoch darüber hinaus einen geringen Informationstand betreffend des Open BIM-Formates „Industry Foundation Classes (IFC)“.

5.    Aus den vorhergehenden Arbeitsschwerpunkten werden Chancen und Herausforderungen an die österreichische und europäische Bauwirtschaft für die Phasen des Planens, Bauens und Betreibens abgeleitet, bewertet und dargestellt. Die Ergebnisse des vorliegenden Forschungsprojekts zeigen große Chancen auf, welche mit der Digitalisierung im Bauwesen einhergehen. Demgegenüber müssen aber noch einige Herausforderung im Zuge der Digitalisierung überwunden werden.

6.    Die Skizzierung baubetrieblicher und bauwirtschaftlicher Forschungsfelder im Hinblick auf Digitalisierung und Vernetzung sind Bestandteile der Studie und erfolgt in den Kapiteln 7 und 8, die Wichtigkeit von Pilotprojekten wird dabei ganz besonders aufgezeigt. In diesen Kapiteln wird ein strategischer Maßnahmenkatalog im Sinne einer Roadmap für die schrittweise Umsetzung der Digitalisierung von Bauprojekten erläutert. Zudem wird eine Zeitschiene für mittel- bis langfristige digitale Entwicklungen im Bauwesen in Österreich dargestellt.

Insgesamt gilt es mittel- bis langfristig die erkannten Möglichkeiten im Rahmen einer Wechselbeziehung zwischen Forschung, Industrie und Politik zu konkretisieren und in die Praxis umzusetzen. Dafür braucht es vor allem den Willen aller Beteiligten und eine aktive Zustimmung, die Digitalisierung im Bauwesen durch eine Reihe von Pilotprojekten gezielt voranzutreiben. Die Studie und die daraus abgeleiteten Maßnahmen sollen im Wesentlichen dazu dienen, dass die Stakeholder der österreichischen Bauwirtschaft, Politik und Wissenschaft die Digitalisierung gleichzeitig als Chance und Herausforderung zur nachhaltigen Sicherung der nationalen und internationalen Wettbewerbsfähigkeit begreifen.

Altbewährte Verhaltensmuster werden grundsätzlich zu überdenken sein, aus der Digitalisierung resultierende, neue Anforderungen werden zu einem „Technologieschub“ der österreichischen Bauwirtschaft führen.

Univ.Prof. Dipl.-Ing. Dr.techn. Gerald Goger
Univ.Ass. Dipl.-Ing. Melanie Piskernik
Proj.Ass. Dipl.-Ing. Harald Urban

Downloads:
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